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Fünf Phasen bei Trennung - ein Kompass

Fünf Phasen bei Trennung - ein Kompass
21.05.2020
In einer Trennung sehen wir alles durch eine Nebelwand.

Eine Trennung ist nichts womit man rechnet, worauf man sich etwa vorbereiten kann. Der Plan der Liebe sieht keine Trennung vor. Deshalb tut es auch so weh, wenn uns eine Trennung aus dem Hinterhalt eiskalt erwischt.
Am Ende ist alles gut, ist es nicht gut - ist es nicht zu Ende.

Trennung und Scheidung - so bewältigen Sie diese emotionale Zeit

Verlassen zu werden ist eine unserer Ur-Ängste, die Angst, die allen Menschen von Geburt an gemeinsam ist. Verlassenheit meint die Angst, auf immer und ewig allein zu sein. Sie ist in der Hardware unseres Gehirns verankert. Eine Beziehung, die heute zu Ende geht, kann Ihre schlimmsten Albträume aus Kindheitstagen hervorrufen. Die Trauer über eine verlorene Liebe öffnet alte Wunden.

Eine Trennung und / oder Scheidung verletzt das Grundbedürfnis, gebunden zu sein. Das Ende einer Beziehung bedeutet auch Veränderung auf allen Ebenen und ein durchlebtes Gefühlschaos. Natürlich bedeuten eine Trennung und Scheidung auch Trauerarbeit. Diese gestaltet sich jedoch wesentlich schmerzhafter, sollte es sich um keine einvernehmliche Scheidung handeln. Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Partner auf um den strittigen Weg zu umgehen, denn ein Rosenkrieg ist für alle Beteiligten nicht leicht.

Wieso schmerzt eine Trennung und Scheidung so sehr?

So unterschiedlich lange und intensiv wir auch leiden, eine Trennung verläuft ähnlich wie ein Verlust eines geliebten Menschen durch Tod. Wenn man verlassen wurde, kommt aber noch erschwerend hinzu, dass sich jemand ganz bewusst gegen uns entschieden hat. Das heißt, wir sind zusätzlich mit den Qualen der Ablehnung und Zurückweisung konfrontiert und müssen uns auch noch mit dem Angriff auf unseren Selbstwert auseinandersetzen. Nicht gut genug, nicht attraktiv genug zu sein oder in der Beziehung etwas ganz Grundlegendes falsch gemacht zu haben, kommt erschwerend hinzu.

Mit welchen Gefühlen und körperlichen Reaktionen muss ich in einer Trennung und Scheidung rechnen?

  1. Phase: Erschütterung oder Phase des Verleugnens
  2. Phase: Rückzug oder Phase der Hoffnungslosigkeit
  3. Phase: Wut oder Phase der aufbrechenden Gefühle
  4. Phase: Verinnerlichung, Akzeptanz und Neuorientierung
  5. Phase: Neuer Lebensentwurf, Lebenskonzept

Das Wissen um diese Phasen hilft, dass wir uns selbst und den Kummer besser verstehen können. Auf diese Weise sieht man auch, dass diese Gefühle ganz normal sind und wir nicht Angst haben müssen, durchzudrehen.

Die Phasen verlaufen nicht linear

Wichtig ist auch zu wissen, dass diese Phasen nicht unbedingt linear verlaufen und wir Phase 1-5 nicht einfach nacheinander arbeiten können. So einfach funktioniert es leider nicht. Es kommt immer wieder zu Rückschritten. Konkret bedeutet das, selbst wenn Sie schon in Phase 3 angekommen bist, kann es durchaus sein, dass Sie plötzlich das Gefühl haben, wieder in Phase 2 gelandet zu sein. Das bedeutet: die einzelnen Phasen können sich durchaus wiederholen. Aber sie dauern nicht mehr so lange an und Sie gehen schneller wieder in Phase 3.

Die Phasen dauern bei jedem Menschen unterschiedlich lang

Das Durchlaufen der Phasen – dieser Heilungsprozess dauert unterschiedlich lang und ist von Mensch zu Mensch verschieden. Die Intensität der ehemaligen Beziehung spielt eine Rolle bei der Verarbeitung. So kann der Trennungsschmerz im besten Fall ein paar Wochen – im schlimmsten Fall aber auch einige Jahre dauern. Egal wie lange Ihr Trennungsschmerz bereits andauert, wenn Sie das Gefühl haben, nicht alleine zu Recht zu kommen, dann holen Sie sich Unterstützung. In einer Einzelberatung oder in einer Gruppe, wie wir sie anbieten. Es ist davon auszugehen, dass Kindheitserlebnisse hier wirksam werden, die das Beziehungsverhalten und vor allem den Umgang mit Verlust stark beeinflussen und blockieren. Es hilft Vergangenes aufzuarbeiten, um schneller aus der Krise zu kommen und aus den gewonnen Erkenntnissen für die nächste Beziehung zu lernen.

1. Phase: Erschütterung oder Phase des Verleugnens

Diese erste Phase ist mit Abstand die schwerste. Sie ist geprägt von Verzweiflung und Angst. Der Schock darüber, dass die Beziehung zu Ende ist kann sich anfühlen wie ein Autounfall. Alles tut weh. Abgesehen von dem schlimmen Schmerz, der durchaus auch körperlich zu spüren ist, wollen die meisten nicht wahrhaben, was ihnen passiert ist. Manche behalten die Nachricht erst mal für sich.

2. Phase: Rückzug oder Phase der Hoffnungslosigkeit

In diesem Zustand passiert das Gleiche, wie bei einem Drogenentzug. Wir haben ein extrem starkes Verlangen und unsere Gedanken kreisen unaufhörlich um das Objekt der Begierde. Begleitet von innerer Unruhe, Schlaflosigkeit und Niedergeschlagenheit.

In dieser Phase des Liebeskummers können wir die Trennung noch gar nicht richtig begreifen und sind auch nicht bereit, diese zu akzeptieren. Deshalb versuchen viele noch um die Beziehung zu kämpfen und wollen den Expartner davon überzeugen, wieder zurückzukommen. Bitten, Flehen und Verhandeln ist charakteristisch für diese Zeit. Die gute Nachricht: ab jetzt kann es nur noch bergauf gehen. Denn hier sind wir an unserem Tiefpunkt angelangt.

3. Phase: Wut oder Phase der aufbrechenden Gefühle

In dieser sehr anstrengenden Phase haben wir ähnlich wie bei einer Depression einen niedrigen Spiegel an Dopamin, das dem Gehirn als Nervenbotenstoff dient und positive Gefühlserlebnisse vermittelt. Daher geht es uns richtig schlecht. Nicht nur die Antriebslosigkeit und die tiefe Traurigkeit spielen hier eine Rolle. Auch Gefühle wie Angst, Hilflosigkeit und Wut sind tägliche Begleiter. Die Schuldfrage stellt sich und beide Partner sind abwechselnd Opfer und Täter. Was nur dazu führt, dass wir uns selbst gedanklich zerfleischen – eine Lösung gibt es dabei nicht. Wir drehen uns gedanklich im Kreis.

4. Phase: Verinnerlichung oder Phase der Akzeptanz

Hier geht es langsam wieder aufwärts. Die Zuversicht ist wieder deutlich spürbar. Natürlich schmerzt die Trennung immer noch, aber der Schmerz bestimmt nicht mehr Ihren Alltag. Sie haben gelernt mit dem Kummer umzugehen und die Situation zu akzeptieren. Das Leben geht weiter. Die Partnerschaft wird aus einem etwas distanzierterem Blickwinkel betrachtet. Ein allgemeines Verständnis für das Scheitern der Beziehung entsteht. Ihre eigenen Bedürfnisse rücken wieder in den Vordergrund und Sie  fühlen sich viel wohler. Zukunftspläne werden in dieser Phase geschmiedet. Nun ist es möglich wieder nach vorne zu schauen – was uns direkt in die fünfte und letzte Phase bringt.

5. Phase: Neuer Lebensentwurf oder Phase der Neuorientierung

Aufbruchstimmung. Das ist die beste Phase. Sie sind über den Liebeskummer hinweg. Haben es endlich geschafft. Der Gedanke an Ihre/n Ex bereitet Ihnen keine körperlichen Schmerzen mehr und lässt Sie auch nicht mehr in ein tiefes, schwarzes Loch fallen. Selbst wenn Sie noch eine Narbe davon behältst, haben Sie das Gefühl stärker geworden zu sein. Viele sind in dieser Phase sehr zuversichtlich, hoffnungsvoll und gespannt, was das Leben noch so bringt. Diese Zeit bietet die Möglichkeit sich wieder zu verlieben. Einige bleiben noch vorsichtig und öffnen sich vorerst nicht. Andere genießen vielleicht sogar das Single- Dasein. Wie auch immer Sie sich entscheiden: Hauptsache Sie fühlen sich wieder wohl!

Dieses Wissen ist ein Kompass

Das Wissen über diese Phasen hilft Ihnen übrigens auch dabei, zu sehen, dass es eine Entwicklung gibt. Sie bleiben also nicht stecken, selbst wenn es länger dauert als Ihnen lieb ist. Sollten Sie dennoch das Gefühl haben, dass Sie nicht weiterkommen, der Schmerz nicht besser wird und Sie keine Veränderung wahrnehmen, dann komm zu uns. Wir bieten Ihnen professionelle Hilfe an und begleiten Sie durch die Phasen. Sie müssen nichts alleine durchstehen.

Ihre Sabrina Limbeck